Zur Herkunft der Familie Schlusnus

Der älteste bisher bekannte Träger des Familiennamens ist Priczkus. In den ältesten vorliegenden Urkunden aus den jahren 1732 und 1736, in denen er erstmals erwähnt wird, wird er als "litauischer Wirt" bezeichnet.

Der Name Schlusnus mit all seinen Variationen selbst kann sowohl von dem litauischen Wort "szlusznus" abgeleitet sein, das soviel wie "fleißig, dienstfertig" bedeutet, als auch vom altpreußischen Wortfeld "schlusien" (= Dienst). Nun sind die beiden baltischen Sprachen des Litauischen und Altpreußischen oder Pruzzischen sehr eng miteinander verwandt, so dass aus dem Vergleich der Sprachen kaum ein Rückschluss auf die Herkunft der Familie möglich ist.

Betrachten wir aus diesem Grunde einmal die Geschichte der Litauer in Ostpreußen. Vorweg sei jedoch gesagt, dass eine wirklich erschöpfende Darstellung und Beweisführung auf solch engem Raume so gut wie unmöglich ist. Dennoch erscheint es erforderlich, das Dunkel der Vergangenheit, aus dem plötzlich und anscheinend vereinzelt und wie aus heiterem Himmel ein Schlusnus auf ostpreußischer Erde auftaucht, in wenn auch nur groben Zügen ein wenig aufzuhellen.

Die Grenzlandschaften des Ordensstaates im Süden und Osten waren infolge ständiger Kriege in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stark verwüstet. Dem Deutschen Orden selbst standen zur Auffüllung der Bevölkerungslücken kaum noch deutsche oder prussische Siedler zur Verfügung, der Siedlungsstrom aus dem Westen war infolge des Niederganges des Ordensstaates weitgehend abgebrochen.

Uns soll hier nur der nordöstliche Teil der sogenannten "Wildnis", jener nicht urbar gemachte Schutzgürtel gegen Osten, interessieren, das Inster-Angerapp-Gebiet also und die Umgebung von Ragnit. Infolge des starken Gebietsverlustes des Ordens im Westen wurde die "Wildnis" seit dem 2. Thorner Frieden von 1466 verstärkt mit Siedlern besetzt. Eine Wanderung von litauischen Siedlern hierher begann bereits zu Anfang des 15. Jahrhunderts, setzte in größeren Ausmaßen dann seit Mitte des 15. Jahrhunderts ein. Bereits für das Jahr 1540 berechnete Gertrud Mortensen die Zahl der auf ostpreußischem Boden lebenden litauischen Bauernfamilien auf rund 5.000, was in etwa 30.000 bis 40.000 Menschen bedeutet, von denen die meisten schon in Preußen geboren waren. Bis etwa 1600 hat sich die Zahl der Litauer durch Geburtenzuwachs verdreifacht.

Die Auswanderer aus dem offiziell katholischen Litauen nahmen formell die protestantische Glaubenszugehörigkeit an (das Ordensland hatte sich bereits 1525 zur Reformation bekannt), blieben aber weitgehend wie auch die Pruzzen in ihrer angestammten heidnischen Volksreligion verwurzelt.

Ein nächster großer Schub des Litauerzuzugs erfolgte nach der verheerenden Pest von 1708/10, die weite Landstriche verwüstete und menschenleer machte. Diese Siedler blieben im Gegensatz zu früher katholisch und wurden als "Szameiten" bezeichnet.

Die Tatsachen, dass Priczkus als Litauer (nicht als Szamaite) bezeichnet wird und dass er evangelisch-lutherischer Glaubenszugehörigkeit war, legen die Vermutung nahe, dass die Familie, der er entstammt, bereits vor 1708 im Nordosten Ostpreußens ansässig gewesen sein muss. Leider war es, auch vielleicht aufgrund der schlechten Quellenlage (viele ostpreußische Kirchenbücher haben den 2. Weltkrieg nicht überstanden), bisher nicht möglich, irgendwo einen Anknüpfungspunkt zu finden. Hoffen wir darauf, dass irgendein Zufall dabei hilft, das Rätsel zu lösen.

Die These, dass es sich bei einem Großteil der litauischen Siedler um Nachkommen der um 1280 vor den Christianisierungsmaßnahmen des Deutschen Ordens geflohenen Sudauer, eines der pruzzischen Stämme, handelt, ist viel diskutiert und in unserer Familie besonders von Dr. Walter Schlusnus vehement vertreten worden, wird in der neueren deutschen Geschichtsforschung jedoch mehr und mehr für unwahrscheinlich erachtet.

Fassen wir diese Betrachtungen also im Hinblick auf unsere Ausgangsfragen nach der Herkunft der Familie Schlusnus zusammen:

Die Familie muss aller Wahrscheinlichkeit nach bereits im 17. Jahrhundert oder früher in Ostpreußen gelebt haben. Ihre Herkunft liegt in Litauen. Ihr sozialer Status zur Zeit der Siedlung und später war wie der aller Litauer niedrig: Es wird sich um geflohene Angehörige des litauischen Bauern- oder gar meist Leibeigenenstandes  handeln. Inwieweit diese Litauer nun Nachfahren der 200 Jahre vor den ersten Siedlungsbewegungen geflohenen Sudauer sind, wird sich kaum nachweisen lassen.

Offensichtlich haben unsere Vorfahren - zumindest solange sie in der Gumbinner Gegend ansässig waren - die litauische Sprache gesprochen, was sich sowohl aus dem häufigen Gebrauch litauischer Vornamen als auch aus der Schreibung des Familiennamens herleiten lässt.

 

Seite erstellt am 17.02.08

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